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Werdegang und Entwicklung

Das sozialtherapeutische Institut La Motta wurde im Jahr 1938 gegründet. Das Grundstück umfasste 2.3 Hektaren, und es standen bereits drei grössere Häuser (Casa Maria, Casa Mimosa (heute Novalis) und die Casa Cedro. Um 1920 wurde die Casa Cedro in eine Familienpension umgewandelt, die sich für den Aufenthalt von Personen eignete, welche sich an einem ruhigen und gastfreundlichen Ort erholen wollten.Damals gehörte zum Terrain auch ein Streifen Strand am Lago Maggiore.

Der wertvolle Impuls für die Entstehung der La Motta, ging von der Ärztin Wegman aus (enge Mitarbeiterin von Rudolf Steiner). Dank finanzieller Unterstützung von Wohltätern konnte sie das Gut bei einer Versteigerung kaufen, mit dem Ziel daraus ein Ferienheim für Kinder zu gründen.  Ab dem Jahr 1938 wurde die Pension in ein Kinderpflegeheim umgestaltet für Seelenpflege bedürftige Kinder im Sinne anthroposophischer Heilpädagogik nach Rudolf Steiner. La Motta begann Kinder aus dem Sonnenhof in Arlesheim (Basel) aufzunehmen, da hier zusätzlich das wohltuende, milde Klima angeboten werden konnte.

Ab dem zweiten Weltkrieg, von Oktober 1939 bis Mai 1940, wurden mehrere Kinder, darunter auch einige jüdische, vom Sonnenhof (das nur 15 km von der deutschen Grenze entfernt ist) evakuiert. Grund für den Aufenthalt im Tessin war die Bedrohung durch den Nationalsozialismus mit seiner Doktrin der Euthanasie. Man wollte für den Fall einer Besetzung von Basel durch die deutsche Armee solche Kriegsopfer verhindern. Im Jahre 1941 kamen weitere kriegsgeschädigte Kinder aus den besetzten Gebieten Frankreichs, Belgiens und Hollands an. 
Frau Dr. Ita Wegman kümmerte sich um die Pflege dieser Kinder bis zur ihrem Tode; sie verstarb am 4. März 1943.

Die Jahre von 1945 bis 1963 waren eine sehr lebhafte, aktive Periode für das Kurhaus. Dank der internationalen Beziehungen von Ita Wegman wurden Kinder aus den unterschiedlichsten Herkunftsorten aufgenommen, darunter auch eine Gruppe schwacher und problematischer Kinder. Für eine kurze Zeitperiode nahm das Institut außerdem Kinder auf, die das Rote Kreuz ihm übertrug. In diesen Jahren wurde das anthroposophische Gedankengut weiter entwickelt und das kulturelle und künstlerische Leben intensiver umgesetzt. Kinder und Erwachsene bildeten eine multikulturelle Gemeinschaft, die in einem familiären Verhältnis zusammenlebte und mit den vorhandenen Ressourcen sparsam umgehen musste. 

Im Jahre 1955 wurden die Bauarbeiten der Casa Raffael beendet und im Jahre 1957 wurden die Schulen eingerichtet, wo um die dreissig deutschsprachige Kinder heilpädagogisch unterrichtet wurden.  In den darauf folgenden Jahren wechselte oft die Heimleitung und von 1976 bis 1992 übernahm Frau Jutta Gädke-Timm die Führung des Instituts. In der Zwischenzeit wuchsen die Kindern zu Erwachsenen heran und im Jahr 1986 wurde die Casa di cura in  Istituto socioterapeutico umbenannt. Von diesem Zeitpunkt  leben erwachsene Menschen mit schwerstmehrfachen Behinderungsbildern in La Motta.  Die Schule wurde aufgelöst und es wurden mehrere Werkstätten eingerichtet. Es wurden verschiedene Therapien weiter gepflegt, so die Heileurythmie, die darstellende Kunst und vor allem wurde viel Musik gespielt unter Teilnahme aller Bewohner (den Möglichkeiten und Fähigkeiten entsprechend).

Mit der zunehmenden Bedeutung des Sozialwesens in der Gesellschaft gab es auch der Heilpädagogik eine offiziellere Note. Ausserdem ermöglichte die Invaliden-Versicherung IV eine berufsnahe Lohnkompensation, die eine Reduktion der Arbeitsstunden ermöglichte und die Mitarbeitenden begannen ausserhalb des Instituts zu wohnen.  Die finanzielle Situation begann sich, wenn auch langsam, zu verbessern.

Im Jahre 1986 wurde die erste Eingabe für ein entsprechendes Bauprojekt eingegeben, da eine Renovierung schon seit Jahren fällig war. Dieses Projekt wurde jedoch vom Bundesamt für Sozialversicherung nicht gutgeheissen. Einige Jahre später wurde  ein weiteres Gesuch eingegeben, das am 15.5.2000 die Zustimmung des BSV fand und von ihr mit einer Subvention von 50% unterstützt wurde. Dieses Projekt wurde ebenfalls von den kantonalen Behörden des Kantons Tessin, des Kantons Zürich und vom Hilfsverein gutgeheissen und konnte auch dank grosszügiger Spenden endlich realisiert werden.

Am 2.8.1999 wurde das Heim dem Heimleiter Kurt Bitterli anvertraut. Er begleitete diese Umstrukturierung und sorgte dafür, dass  La Motta sich der Umgebung  anpasste und pflegt bis heute eine intensive Zusammenarbeit mit den kantonalen Behörden, der Gemeinde Brissago und den anderen Institutionen. Auch dank einem immer grösseren Anteil von Tessiner Bewohnern - und trotz der multikulturellen Zusammensetzung - hat sich La Motta vom Insel-Dasein in ein sehr gut integriertes Institut umgestaltet und entspricht voll den heutigen anspruchsvollen Anforderungen, die an ein sozialtherapeutisches Institut gestellt werden.

Von 2002 bis heute wurde das Institut komplett renoviert und restauriert. Die Arbeit wurde mit dem Neubau der Casa Calicanto begonnen und es folgten die Erneuerung der Casa Raffael, der Casa Maria, der Umbau und die Aufstockung der Casa Novalis sowie der Neubau der Casa Borghese im 2006. 

Das Gesamtprojekt wurde mit der Rekonstruktion der Casa Sanssouci im 2014 abgeschlossen und am 1. August 2014 fand die offizielle Einweihung statt. Nebst dem Atelier "La Delizia"  im Erdgeschoss entstanden in den zwei Obergeschossen für zwei Bewohnerinnen je eine Wohnung für betreutes Wohnen. Die komplett renovierte Einrichtung ermöglicht uns die Räumlichkeiten, die für eine individuelle und professionelle Betreuung der Bewohner notwendig sind, entsprechend den heutigen Anforderungen zu gestalten. 

Diese komplett erneuerte Struktur ermöglicht der La Motta die Räume auch den Bedürfnissen anzupassen, um die Bewohner professionell und individuell besser begleiten zu können. La Motta verfügt somit auch über bessere Möglichkeiten, um sich den einzelnen Bedürfnissen der Bewohner anzunähern und somit auch ihre spezifischen Fähigkeiten anzuregen, neue Ressourcen zu entdecken und sie vermehrt nach den individuellen Potenzialen weiter zu entwickeln; sei es durch Therapien oder durch die persönlichere Begleitung, oder die eigene Kraft, die sie auch aus dem Gemeinschaftsgeist beziehen können.

Schliesslich, am 10. November 2014 gab es eine weitere beachtenswerte Veränderung: Aufgrund wichtiger Aspekte wie bessere Anerkennung, grösserer Schutz und mehr Sicherheit,  wurde der gemeinnützige Verein nach über 44 Jahren aufgelöst und in eine Stiftung umgewandelt.